Auswärtsspiel beim SV Böblingen III
Es geht im Aufstiegssinne um Alles und wir sollten gegen die starke Böblinger Truppe punkte. Obwohl unser Gegner in Bestbesetzung antritt, spricht die Papierform leicht für uns. Anpfiff ist pünktlich um 9:00 Uhr. Nach einer guten Stunde mache ich eine erste Runde. Man kann noch nicht viel sagen. Arthur hat schon in der Eröffnung wild eine Figur geopfert, um die fianchetierte Königsstellung seines Gegners aufzureißen. Korrekt? Will see.
Gleb steht ausgeglichen, vertauscht jedoch ohne Not zwei Züge einer Zugfolge, was ihn aus dem Nichts die Partie kostet. Dumm gelaufen. Bei Arthur geht es wild her. Sein Gegner ist unter Druck, will die Damen tauschen und Arthur findet einen feinen Zwischenzug. Er hat seine geopferte Figur zurück, kann mit den Schwerfiguren in die Gegnerische Stellung eindringen. Das geht nicht lange gut und es steht 1:1.
Stephan an Brett 2 kommt gegen seinen starken Gegner unter Druck. Er hat zwar einen geopferten Mehrbauer, sein unterentwickelter Königsflügel und der unrochierte König sind aber ein Problem. Ein oder zwei Mal verpasst es, sich zu befreien. Nach dem Damentausch lässt sich das Eindringen des gegnerischen Turms nicht mehr verhindern, was ihn eine Figur und die Partie kostet.
Fritz ist mit seiner Stellung sehr zufrieden. Er kann die offene g-Linie mit einem Turm besetzen, hat Druck auf den gegnerischen König und irgendwie riecht es nach einer Taktik. Nicht einfach zu finden, wie die spätere Analyse zeigt. Sein Gegner drängt zur Entlastung auf Damentausch, der sich auch nicht abwenden lässt. In der Zeitnotphase schlägt Fritz dann selbst mit der Dame, sodass sein Gegner die g-Linie mit einem Bauern blombieren kann. Der Vorteil geht langsam dahin. Im Endspiel mit Turm/Springer wähnt Fritz seinen Turm gefangen. Statt der möglichen Befreiung das Turms mit dem Springer, die zum Remis gereicht hätte, übersieht er einen Turmzug und stellt den Springer ein. Mist, 1:3. So war nicht der Plan.
Bei mir sieht es zwischenzeitlich auch unschön aus. Ich habe unbedacht die Spannung im Bauernzentrum aufgelöst und einen Zwischenzug übersehen, was mich mächtig unter Druck bringt. Die Stellung dürfte objektiv verloren sein. Mein Gegner erobert eine Qualität, dafür ist aber sein starker Springer aus dem Zentrum weg und plötzlich harmonieren meine Figuren. Meine beiden Springer beherrschen das halbe Brett. Ich kann einen Bauern erobern und meine 3:1 Bauernmehrheit auf dem Damenflügel in Marsch setzen. Ein, zwei passive Züge meines Gegners und die Stellung kippt von einer Enginebewertung von +5 auf -4. Um die Bauern aufzuhalten, gibt mein Gegner die Qualität zurück, aber zu spät. Ich kann die Dame gegen den Turm opfern, um meinen verbliebenen b-Bauern zur Dame durchzubringen. Der anschließende Damentausch ist erzwungen. Mit einem Turm mehr ist der Rest Formsache. 2:3.
Mahdis Stellung gefällt mir lange nicht. Sein Gegner hat das aktivere Figurenspiel. Kommt aber nichts Zählbares heraus und die Figuren tauschen sich nach und nach. Am Ende entsteht ein Springerendspiel, in dem Mahdi zwar zeitweise einen Mehrbauern hat, das sich aber nicht mehr gewinnen lässt, da der Springer sich jederzeit gegen den letzten Bauern tauschen kann. Dass die Stellung schließlich tot remis ist, müssen beide einsehen.
Bleiben Arne am Spitzenbrett und Finn an Brett 8, um die dringend erforderliche Wende zu bringen. Arne hat Vorteil, Finn ist nach wilder Zeitnotphase mit Chancen auf beiden Seiten in einem Endspiel mit Mehrbauern gelandet. Arnes Gegner wehrt sich lange, doch er wird von Arne, der zu keinem Zeitpunkt die Kontrolle über die Partie verliert, in gewohnt ruhiger Weise quasi „stranguliert“. Feine Partie, 3,5:3,5.
Der Druck lastet nun auf Finn. Der hatte im Verlauf die Möglichkeit zu remisieren, kämpfte aber angesichts unseres zeitweilig prekären Mannschaftsstandes eisern weiter. Im Endspiel gerät er jetzt aber unter Druck, muss den Mehrbauern abgeben und von den Freibauern auf beiden Seiten, erweist sich der gegnerische leider als stärker, so dass Finn seinen Punkt zum 3,5:4,5 Endstand abgibt.
Schade, da war mehr drin. Wir geben einen Spieltag vor Saisonschluss unseren 2-Punkte Vorsprung und die Tabellenführung ab und müssten nun am letzten Spieltag einen Brettpunkt auf DJK aufholen, was angesichts deren und unseren Restprogramms leider wenig realistisch scheint. Trotzdem werden wir am letzten Spieltag alles geben und vielleicht ein Fass Bier für die Gerlinger ausloben, wenn sie uns DJK vom Leibe halten. (Stefan Urlichs)

